Ausländische Umsätze und deutsche Umsatzsteuer

Wer von Deutschland aus Umsätze mit ausländischen Kunden macht, muss sich auf ein wenig Gehirnakrobatik einstellen: Die Rechtslage ist zwar zum 1.1.2010 (und dann gleich noch einmal zum 1.1.2011) geändert, dadurch aber kaum weniger verwirrend geworden. Zumal nur einzelne Umsätze umsatzsteuerbefreit sind. Die anderen sind nicht steuerbar. (Und manche sind steuerpflichtig.)

Die alte Rechtslage steht im mediafon-Ratgeber.

Zunächst heißt es im Umsatzsteuergesetz, dass die deutsche Umsatzsteuer nur zu erheben ist für "Umsätze, die ein Unternehmer im Inland ... ausführt". Klingt einfach, ist aber kompliziert. Denn wo wird der Umsatz ausgeführt, wenn ich (in meinem Büro in Deutschland) einen Roman übersetze, der in einem Verlag mit Sitz in Paris erscheinen soll? Die erstaunliche Antwort heißt: Der Umsatz wird in Frankreich ausgeführt und ist deshalb in Deutschland nicht steuerbar.

Achtung: Die Regeln des letzten Spiegelstrichs (und des dritten) gelten nicht für Geschäfte mit Privatkunden im EU-Ausland. Wer also eine Installation an einen privaten Sammler in Helsinki verkauft oder eine Biographie für einen Privatmann in Österreich schreibt, muss auf die Vergütung deutsche Mehrwertsteuer aufschlagen. Wohnt der Kunde außerhalb der EU, entfällt die Mehrwertsteuer immer.

Und da das alles ein bisschen wirr und viel ist, seien all diese Regeln hier noch mal in einer Tabelle zusammengefasst:

Umsatzsteuerpflicht in Deutschland bei Einnahmen von ausländischen Kunden
Art der Lieferung oder Leistung Kunde hat seinen Sitz ...
... innerhalb der EU und ist... ... außerhalb der EU und ist...
... Unternehmer ... Privatperson ... Unternehmer ... Privatperson
Vorträge und Gastspiele im Ausland in der Regel nicht steuerbar (siehe 4. Spiegelstrich)
Honorare aus Nutzungsrechten, Datenverarbeitung usw. nicht steuerbar steuerpflichtig nicht steuerbar
Andere Dienstleistungen (von Deutschland aus erbracht) nicht steuerbar steuerpflichtig
Verkauf von Waren, z.B. von Originalen der Bildenden Kunst steuerbefreit, wenn USt-ID immer steuerbefreit

Wann und für welche dieser Umsätze man in Deutschland Vorsteuer abziehen darf, dafür gibt es ein weiteres hübsches Regelchaos, das in einem eigenen Kapitel ausgebreitet wird.


Umsatzsteuer auf Rechnungen aus dem Ausland

Wer Dienstreisen ins Ausland macht oder im Ausland geschäftlich einkauft, ist mit einer Vielzahl von Regelungen konfrontiert, die hier nicht alle genannt werden können. Wichtig ist vor allem zu wissen: Wer ausländische Umsatzsteuer zahlt, kann sie nie und unter keinen Umständen in Deutschland als Vorsteuer geltend machen. Man kann sie sich bestenfalls von jeweiligen Land erstatten lassen. Dabei gelten grob folgende Regeln:


Die gesetzliche Grundlage

Der verwirrende Text, in dem das alles (jedenfalls das meiste) steht, nämlich der 3a des Umsatzsteuergesetzes, steht hier.